Am 9. Oktober 2018 konnte ich nach einigen Tagen Wartezeit mein Wohnmobil am Hafen in Auckland in Empfang nehmen. Äusserlich hat der Mercedes Sprinter die Fahrt gut überstanden, aber das Innenleben hat gelitten. Der Bildschirm des Kommunikationssystems blieb schwarz, die Stützbatterie schien leer zu sein. Da auch das Navigationssystem nicht funktionierte, war wieder Kartenlesen angesagt; zum Glück war dies für mich nicht neu. Nach der Erledigung des Papierkrams musste ich beim Strassenverkehrsamt (in Neuseeland VTNZ) antreten um das Wohnmobil einem Certificate of Fitness zu unterziehen, es gab nichts auszusetzen; beim Problem mit der Elektrik konnte man mir aber nicht weiterhelfen. Ich suchte zwei Firmen auf, die eine hatte keine verfügbaren Leute, die andere schlossen gerade (es war kurz vor 16 Uhr). Da gab es nur eines: zurück an die Princes Wharf und die letzte Nacht geniessen.

Am Tag darauf hiess es Zimmer räumen und den ganzen Kram ins Wohnmobil verfrachten. Danach gönnte ich mir nach dem Einkaufen eine Mittagspause mit einem letzten Blick auf die Skyline von Auckland. Um mein Wohnmobil in Betrieb zu nehmen, muss es mit Gas ausgerüstet werden. Obwohl ich ein halbes Dutzend Übergangsstücke gekauft habe, passte natürlich keines. Dank der Hilfe eines Mechanikers in der Nähe des Propanverkäufers und etwas Fantasie bin ich nun mit Gas ausgerüstet. In den nächsten Tagen wird hoffentlich auch mein Problem mit der Elektrik gelöst.

Die Grösse meines Wohnzimmers hat sich von 70 Quadratmetern auf 7 reduziert und ich geniesse nun die Nacht in gemütlich, enger Umgebung auf vier Rädern.

Ich habe einige Tage in Auckland verbracht und deshalb ein paar ganz persönliche Tipps zusammengetragen.

Wir Schweizer sind ja was Brot anbetrifft schon sehr verwöhnt. Umso schwieriger wird es im Ausland aus unserer Sicht „gutes“ Brot zu finden. Ich bin bei AMANO fündig geworden. Neben dem sehr guten Restaurant ist auch eine Bäckerei angeschlossen. Ich bin jeden Tag gerne ein paar Meter zu Fuss gegangen und das herrliche Baguette mit spitzen Enden zu kaufen.

Den frischesten Fisch gibt es in Auckland im «Auckland Fish Market». Wer, wie ich, auch mal keinen grossen Aufwand fürs Kochen investieren will, der kauft geräucherten Fisch, der kalt gegessen werden kann. Der «Auckland Fish Market» verfügt über eine eigene Räucherei wo der Fisch sechs Stunden unter Teebaumholz geräuchert wird. Besonders geschmeckt hat mir der geräucherte «Blue Moki» und der Lachs.

Ich mag sehr gerne Bier und bin auf der Suche nach einem sehr guten bei «Dr Rudis Rooftop» fündig geworden. Die Aussicht auf den Viaduct Harbour ist grandios und das «Lagunitas IPA» ist aktuell Nummer drei auf meiner Bierrangliste. Dazu kann ich die «Jalapeno & Brie Poppers» empfehlen, unheimlich scharf und unheimlich gut.

Auswärts gegessen habe ich in Auckland nicht sehr oft. Zum einen hatte ich in meinem Appartment eine voll ausgerüstete Küche, zum anderen ist das Essen in Neuseeland auch teuer; NZ$ 50.- (ca. CHF 35.-) für ein Essen ohne was besonderes sind üblich. Das Lokal «Culpeper» ist gut gelegen, hat eine gute Atmosphäre und der «Blackened Fish Taco» hat sehr gut geschmeckt. Nur eben die Preise: zwei Glas Bier kosteten mit CHF 16.- gleichviel wie das Essen…

Neben all den bekannten Sehenswürdigkeiten empfehle ich bei schönem Wetter und einbrechender Dunkelheit einen Spaziergang vom «Downtown Ferry Terminal» via das «Wynyard Crossing» zum Silo Park.

 

Eine lange Anreise liegt hinter mir, eine traumhafte Aussicht vor mir. Für neun Monate hat sich ein beträchtlicher Berg an Material angesammelt, zuviel für die 30 kg die ich mitnehmen darf. Der Drohnenkoffer musste raus und separat eingecheckt werden – die Ernüchterung: CHF 340.- für die etwas mehr als 4 kg… Da habe ich das Angebot für den Upgrade von CHF 410.- auf Premium Economy dankend angenommen; darin sind nämlich zusätzlich 5 kg Gepäck enthalten 🙂 Zudem viel Platz, endlos viele Filme in 10 Sprachen und noch mehr Untertiteln, gutes Essen und eine angenehme Liegeposition für etwas Schlaf. Den Unterschied zur „normalen“ Economy konnte ich im Flug von Singapur nach Auckland erleben. Kurz vor Mitternacht gestaltete es sich etwas schwierig in Auckland an meinen Schlüssel zu kommen – ich wohne in einem Appartment an der Princes Wharf – aber mit Hilfe der netten indischen Taxi-Chaffeurs klappte es schlussendlich. Belohnt wurde ich mit einer traumhaften Aussicht von meinem Balkon, ich mag mich nicht erinnern je eine schönere gehabt zu haben.

Das Thema Versicherungen darf für eine länger dauernde Reise ausserhalb Europas nicht vernachlässigt werden.

Ich besitze bereits den «TCS ETI Schutzbrief Welt» und bin Gönner der REGA. Hier eine paar Hinweise aus meiner Sicht für Neuseeland (ich bleibe in der Schweiz gemeldet):

Person Krankenkasse Zusatzversicherung fürs Ausland abschliessen und sicherstellen, dass sie für die Dauer des Aufenthalts und das entsprechende Land gültig ist.
Personen-Assistance Ist im «TCS ETI Schutzbrief Welt» enthalten.
Heilungskosten Der «TCS ETI Schutzbrief Welt» kann um «Heilungskosten Welt» ergänzt werden; darin enthalten ist die unbegrenzte Kostendeckung falls eine Heimreise nicht zumutbar ist.
Unfall Bei bestehendem Arbeitsverhältnis meist durch die SUVA gedeckt, ansonsten muss der Zusatz bei der Krankenkasse beantragt werden.
Privater Rechtsschutz Klären ob der Schutz auch ausserhalb Europas gültig ist. Im «TCS ETI Schutzbrief Welt» ist der Rechtsschutz weltweit enthalten.
Medizinische Beratung Im Gönnerbeitrag der REGA enthalten.
Repatriierung (medizinisch) Im Gönnerbeitrag der REGA enthalten.
AHV Wer frühpensioniert ist oder nicht arbeitet und in einem Kalenderjahr den Mindestbetrag nicht erreicht, muss diesen bei der AHV-Zweigstelle der Wohngemeinde einzahlen; andernfalls wird im AHV-Alter die Rente gekürzt.
Reise Annullierungskosten Im «TCS ETI Schutzbrief Welt» enthalten.
Reisegepäck In der Hausratversicherung enthalten, beim Versicherer prüfen ob die Deckung genügend hoch ist.
Fahrzeug Motorfahrzeugversicherung Versicherungen die in der Schweiz abgeschlossen werden, gelten nur für Europa; für Neuseeland muss eine Versicherung bei einem neuseeländischen Versicherer abgeschlossen werden, z.B. «Star Insurance Specialists».
Fahrzeug-Assistance Ist im «TCS ETI Schutzbrief Welt» nicht enthalten und muss bei einem neuseeländischen Versicherer abgeschlossen werden.
Rechtsschutz Verkehr Klären ob der Schutz auch ausserhalb Europas gültig ist.
Hausrat Die beweglichen Teile im Wohnmobil gelten als Hausrat und müssen bei der Hausratversicherung genügend hoch versichert werden.
Seetransport Für den Transport des Wohnmobils kann eine Güterversicherung abgeschlossen werden, die Kosten betragen ca. 1% des aktuellen Wertes des Fahrzeugs.
Drohne Haftpflichtversicherung Beim Versicherer ist zu klären ob die Haftpflichtkosten die durch die Drohne verursacht werden können, gedeckt sind.

Angaben ohne Gewähr.

Schweizer Motorfahrzeugversicherungen sind in Neuseeland nicht gültig, deshalb muss eine bei einem neuseeländischen Versicherer abgeschlossen werden.

Nun geht’s an das Planen der Reise. Hier ein paar persönliche Buchtipps.

«Neuseeland mit dem Wohnmobil», Wiebke Reissig-Dwenger und Sönke Dwenger
Je sechs Routen auf der Nord- und Südinsel, Land und Leute, Reiseinformationen und GPS-Daten der Campingplätze.

«Als Dach der Sternenhimmel», Jenny Menzel
Routenplanung, Fakten und Tipps zum Strassenverkehr, Technik im Wohnmobil, kaufen oder mieten?, ausführliche Tipps zum Camping, reisen mit Kindern, Budgetplanung und Check- & Packlisten.

«Mit dem Wohnmobil durch Neuseeland», WOMO-Reihe Band 69, Dieter Giesen und Andrea Lossen
Neun Touren auf der Nordinsel, zwölf auf der Südinsel und sehr detaillierte Tipps & Infos.

«Tausend Tage Wohnmobil», Hildegard Grünthaler
In drei Jahren durch die USA, Kanada, Mexiko, Neuseeland und Australien. Kurzweilig geschriebenes, sehr persönliches Buch, das mich ins Reiseabenteuer reingezogen hat. Gewählt werden die eher ruhigen Orte abseits der Touristenpfade, man fühlt sich als Entdecker. Die sehr wenigen Bilder muss man während des Lesens im Buch suchen. Etwas gestört hat mich der nörgelnde Unterton.

«Lonely Planet Reiseführer Neuseeland», Diverse AutorInnen
Der Klassiker, riesiger Informationsgehalt, gut recherchiert, wenig Bilder.

«Neuseeland», Die Welt auf eigenen Wegen entdecken, Stefan Loose
Sehr ausführlicher Reiseführer, gute Tipps für Veranstaltungen, Aktivitäten & Touren, spärliche Informationen für Wohnmobilbesitzer.

Ergänzung am 4. August 2018:

«Rother Wanderführer: Neuseeland», Sylvia Seligmann & Matthias Dollmann
18 Wanderungen auf der Nord- und 45 auf der Südinsel, Daten für GPS-Gerät auf www.rother.de und kostenpflichtige App für das Smartphone verfügbar.

«Neuseeland abseits der ausgetretenen Pfade: 50 Highlights auf der Südinsel», Jenny Menzel
Buch angenehm klein, alle nötigen Infos und passende Bilder.

«Neuseeland – Nordinsel: 50 Highlights abseits der ausgetretenen Pfade», Jenny Menzel